FRÜHER IS(S)T ALLES BESSER!

Wie ein wundervolles Projekt entstand
Noëmi Siegfried und Isabell Olsson:

«Wie wäre es, wenn wir in ein Altersheim gingen und einfach den Seniorinnen und Senioren zuhörten, was sie zu sagen haben – zum Beispiel übers Essen? Diese Menschen sind die letzten, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und die Armut, die er mit sich brachte. Sie kommen aus einer Welt, die ganz anders war als unsere postindustrielle Gesellschaft heute ist, und das wollten wir auf eine positive, vergnügliche Art und Weise festhalten. Wir könnten einen Raum schaffen, in dem die Menschen gesehen und gehört werden, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung zwar immer stärker wächst, die wir aber aus unserem Alltag ausblenden – gerade so, als gäbe es sie nicht. Wir beschlossen, uns auf das Thema Essen zu konzentrieren: auf Geheim- und Lieblingsrezepte, traditionelle Gewohnheiten oder Zeremonien, die heute womöglich schon fast vergessen sind. Anfang 2017 kontaktierten wir das Seniorenzentrum Mühlehof in Steinen, das uns mit seiner Vision und Philosophie «Dem Alter eine Zukunft geben und dies solidarisch mit der ganzen Dorfgemeinschaft verwirklichen» direkt angesprochen hat.» → mehr lesen

Hildegard Schaub

«Nach dem Krieg hatte mein Bruder die Konfirmation, da gab es ein Festessen, an das ich mich am meisten erinnern kann: Suppe mit Flädle, danach eine gefüllte Kalbsbrust mit Kartoffelklößen und Gemüse. Kalbsfleisch war allgemein ein Festessen, da es so selten und sehr teuer war. Backware war auch eine Rarität, meine Mutter hatte dann noch einen Apfelkuchen und einen Streuselkuchen gebacken. Wir sind auf dem Weg zur Konfirmation in der Kirche durch Trümmer gelaufen, da gab’s Tote, das gedenkt mir ewig. Das war ein Fest, und wir sind heil davongekommen!»

 

Gefüllte Kalbsbrust
Nürnberger Elisenlebkuchen
Nudel Schinken Auflauf

Charlotte Pfleiderer

«Mein Leben war so bunt, dass man gar keine Lücke findet, um was reinzubringen.»

 

Wiener Apfelstrudel
Chicoréegemüse mit Curryreis
Flaselkuchen

Lilly Artner

«Die Erwachsenen haben den Mangoldstiel bekommen und wir die grünen Blätter, wie beim Spinat. Und wenn wir das nicht gegessen haben, dann haben sie uns gesagt, dass wir kein Essen bekämen, wenn es was Gutes gibt.»

 

Bratäpfel
Bechamel mit Kartoffeln und Mangold
Süße Nudeln

Heidi Heubach

«Mousse au chocolat, das wär jetz was für mi! Und denn no chli Chäs druff!»

 

Maisfladen
Schokoladenmousse
Spätzle

Birgitta Müller

«Ein Nachtisch aus Schweden, den wohl die Schwedischen Königskinder am Königshof bekamen. Meine schwedische Schwiegermutter verbreitete es in ihrer Familie, bei Freunden und Bekannten, als sie 1927 nach Südbaden heiratete.»

 

Normannisches Huhn
Muschelsuppe
Hof-Dessert

Ulrike Stoll

«Meine Mutter hat mir noch erzählt, wie die ersten Tomaten nach Deutschland kamen, dass sie gedacht hat, das sei ein roter Apfel und beißt als Kind da rein und war entsetzt!»

 

Bohnen mit Tomatensauce
Karotten-Ingwer-Suppe
Fishcurry

Friedhilde Schlageter

«Es isch alles gässe worde, was ufe Tisch cho isch, hejo!»

 

Goldwürfelsuppe
Russische Charlotte
Gerstensuppe

Friedhelm Wüst

«Die armi Sahne wird immer gschlage, debi het si jo gar nüt agstellt!»

 

Obstsalat – dazu die arme Sahne
Linzer Torte

Irmela Minor

«Ich hab früher ’ne Taucherbrille für Kinder gehabt, denn es ist doch furchtbar, da heult man ja, wenn man ein Kilo Zwiebeln schneiden muss.»

 

Waldorfsalat
Zwiebelkuchen
Grüner Heringssalat